Vom Rasen aufs Grün: Welche Fußballstars Golf spielen – und wer es zum Profi schaffte

Vom Rasen aufs Grün: Welche Fußballstars Golf spielen – und wer es zum Profi schaffte
Es ist ein offenes Geheimnis im Profisport: Wenn ein Fußballer ein freies Wochenende hat, steht er erstaunlich oft nicht auf dem Trainingsplatz, sondern auf dem Golfplatz. Vom Premier-League-Star bis zur Bundesliga-Legende – Golf ist längst zur heimlichen Lieblingsbeschäftigung vieler Kicker geworden. Doch warum eigentlich? Wie gut sind die Profis wirklich? Und hat es jemand vom Rasen tatsächlich bis auf die Profi-Tour geschafft? Wir haben uns das genauer angesehen.

Warum Fußballer dem Golf verfallen

Die Gründe liegen näher, als man denkt. Profifußballer sind extreme Wettkampftypen – und Golf bietet genau das, ohne den Körper im gleichen Maße zu belasten. Harry Kane bringt es auf den Punkt: Man wolle die anderen Spieler schlagen, und das übertrage sich perfekt aufs Golf.

Hinzu kommt der entscheidende psychologische Faktor: Golf ist die ideale Flucht aus dem Druck. Viele Profis beschreiben den Sport als willkommene Auszeit vom Dauerstress des Profifußballs – ein paar Stunden, in denen sie komplett abschalten können. Und es gibt einen ganz praktischen Grund: Bei Auswärtsreisen und in Trainingslagern verbringen Mannschaften viel Zeit in Hotels. Kane erzählt, dass die Spieler dort ständig nach Beschäftigung suchen – und durch den Boom von YouTube-Golf in den letzten Jahren hätten sich viele Profis vom Golfvirus anstecken lassen.


Wie gut sind sie wirklich? Ein Blick auf die Handicaps

Kurz gesagt: erschreckend gut. Während ein durchschnittlicher Hobbygolfer von einem einstelligen Handicap träumt, spielen die besten kickenden Golfer auf einem Niveau, das nicht mehr weit vom Scratch-Golfer (Handicap 0) entfernt ist.

 

Spieler Karriere Handicap (ca.)
Gareth Bale Real Madrid, Tottenham, Wales Scratch / +2
Harry Kane Bayern München, Tottenham, England ~3
Steven Gerrard Liverpool, England ~4
Jamie Carragher Liverpool, England ~4
Alan Shearer Newcastle, England ~6
John Terry Chelsea, England ~7,5

Gareth Bale – „The Golfer“

Kein Fußballer steht so sehr für Golf wie Gareth Bale. Seine Leidenschaft war während seiner gesamten Zeit bei Real Madrid bekannt und brachte ihm dort sogar den Spitznamen „The Golfer“ ein. Berühmt-berüchtigt ist die Flagge, die er nach der EM-Qualifikation hochhielt: „Wales. Golf. Madrid. In dieser Reihenfolge.“ – eine Aussage, die in Spanien für einen mittleren Sturm sorgte.

Bei Bale ist es längst kein Hobby mehr. Sein Handicap verbesserte sich von drei bis vier im Jahr 2020 auf eine Zwei Ende 2022 – und mittlerweile gilt er als Scratch-Golfer. In seinem Garten hat er sich sogar einen eigenen Drei-Loch-Golfplatz bauen lassen, inklusive einer Nachbildung des berühmten 17. Lochs von TPC Sawgrass.

Harry Kane – der Power-Golfer

Bayern-Stürmer Harry Kane begann mit 14 ernsthaft zu spielen und war mit 18 bereits besessen. In einem fußballfreien Sommer mit sechs Wochen Pause brachte er sein Handicap von 18 auf 10 herunter – „da hat mich der Virus richtig gepackt“. Heute spielt er Handicap 3 und ist Mitglied in Beaverbrook und Queenwood, zwei der exklusivsten Golfclubs Englands.

Besonders beeindruckend sind seine Schlagweiten, die er für seinen Bekleidungspartner Reflo offenlegte: Seinen Driver schlägt Kane 301 Yards weit – ein Wert, der ihn auf der PGA Tour ungefähr auf Rang 90 einordnen würde. Auch das Eisenspiel hat es in sich: 6er-Eisen 204 Yards, 3er-Eisen 247 Yards. Das sind Zahlen, die nicht nur einen guten Clubgolfer, sondern fast schon einen Profi ausmachen.

Kane über den Sprung zur absoluten Weltspitze: Ein Handicap von 3 sei gut, aber der Abstand zu den Tour-Profis sei riesig. Das entscheidende Wort sei Konstanz – die Profis liefern Schlag für Schlag dieselbe Qualität ab, und genau das sei das Schwierigste. Harry Kane gegenüber GOLF.com

Übrigens ein interessantes Detail für alle, die selbst gerne am Simulator oder auf der Range stehen: Laut Kane ist sein Bayern-Teamkollege Thomas Müller geradezu besessen vom Golf – „wahrscheinlich mehr als ich!“. Der Golfvirus geht in den Kabinen also klar um.

Spielen mit den Größten

Wie ernst es die Spieler meinen, zeigt sich an ihren Mitspielern. Kane spielte auf den Bahamas zwei komplette Runden (36 Loch) an der Seite von Tiger Woods und beschreibt das Erlebnis als „surreal“. Bale wiederum hat sich bei den großen Pro-Am-Turnieren mit Stars wie Dustin Johnson, Rickie Fowler und Rory McIlroy gemessen.


Vom Rasen aufs Grün: Wer hat es wirklich zum Profi geschafft?

Hier wird es spannend – denn das Pro-Am-Spielchen ist die eine Sache, der echte Schritt ins Profilager eine ganz andere. Und die Realität ist ernüchternd: Der Sprung von „sehr guter Amateur“ zum konkurrenzfähigen Tour-Profi ist gewaltig.

Gareth Bale: PGA-Tour-Debüt, aber kein Profi-Status

Nur einen Monat nach seinem Karriereende trat Bale 2023 beim AT&T Pebble Beach Pro-Am an – einem offiziellen Turnier der PGA Tour. Gemeinsam mit Profi-Partner Joseph Bramlett spielte er eine starke 65er-Runde (sieben unter Par) und landete auf einem geteilten 18. Platz der Amateur-Wertung. Sein Highlight: ein spektakulärer Rettungsschlag vom Cart-Path zum Par-Save. Wichtig zur Einordnung: Bale spielt als Amateur in diesen Events – er ist kein Tour-Profi geworden, sondern genießt seinen Status als außergewöhnlich guter „professioneller Amateur“.

Peter Odemwingie: der echte Wechsel zum PGA-Professional

Der wohl konsequenteste Fall ist Peter Odemwingie. Der frühere West-Brom-, Stoke- und Cardiff-Stürmer, der über 30 Premier-League-Tore erzielte und bei zwei Weltmeisterschaften spielte, qualifizierte sich 2024 – sechs Jahre nach seinem Karriereende – tatsächlich als vollwertiger PGA Professional. Er entdeckte die Liebe zum Golf während seiner Zeit bei Stoke City und absolvierte sogar einen Studiengang in „Professional Golf Studies“ an der Universität.

„Ich bin stolz, weil ich mich nicht nur sportlich, sondern auch akademisch herausgefordert habe. Es war nicht leicht, aber ich glaube, der Charakter, den ich im Fußball entwickelt habe, hat mir geholfen.“ Peter Odemwingie nach seiner PGA-Qualifikation

Odemwingie startete auf der Clutch Tour (früher PGA EuroPro Tour), der Stufe unterhalb der Challenge Tour, sowie auf weiteren Mini-Touren – der reale, harte Weg eines Aufsteigers im Profigolf.

Jimmy Bullard & Co.: ambitioniert, aber an der Realität gescheitert

Der frühere Fulham- und Hull-City-Mittelfeldspieler Jimmy Bullard war zum Ende seiner verletzungsgeplagten Karriere bereits Scratch-Golfer und versuchte sich tatsächlich als Profi. Zwischen 2014 und 2016 absolvierte er fünf Starts auf der inzwischen aufgelösten EuroPro Tour – schaffte dort aber keinen Cut. Heute ist er als Golf-YouTuber bekannter denn je. Lee Westwood, früher Weltranglistenerster, traut Bullard sogar zu, das Zeug zum echten Profi zu haben.

Ein lehrreiches Beispiel lieferte der frühere West-Ham-Verteidiger Julian Dicks, der nach seiner Karriere als Profigolfer in Spanien antrat – und ehrlich resümierte: Er spielte zwar Scratch und schoss ein, zwei unter Par, doch die jungen Konkurrenten mit Plus-Handicaps fegten mit sechs, sieben unter Par über den Platz. Sein nüchternes Fazit: Er war schlicht nicht gut genug.


Das Fazit: Eine Leidenschaft, die verbindet

Fußball und Golf passen besser zusammen, als man auf den ersten Blick denkt: derselbe Wettkampfgeist, dieselbe Obsession für Präzision – und für die Spieler der perfekte Ausgleich zum Druck des Profialltags. Während echte Karrierewechsel bis in die Spitze des Profigolfs extrem selten und schwer sind (Odemwingie ist hier die löbliche Ausnahme), zeigt sich eines ganz klar: Wer im Fußball zur Weltspitze gehört, bringt oft auch auf dem Grün außergewöhnliches Talent mit.

Und die gute Nachricht für alle, die sich von Bale, Kane & Co. inspirieren lassen: Man braucht heute weder einen eigenen Platz im Garten noch sechs Wochen Sommerpause, um besser zu werden. Mit einem modernen Golfsimulator lässt sich das ganze Jahr über trainieren – Schlagweiten messen, am Schwung feilen und die berühmte Konstanz aufbauen, von der schon Harry Kane schwärmt.

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